Buchtipp des Monats: Eine Frau flieht vor einer Nachricht von David Grossmann

05.06.2012

Ein aufwühlender Antikriegsroman über Verdrängung, Abschiedsschmerz und die Schrecken des Krieges.

Die Handlung:

Die Geschichte startet gleich in Dialogform, ohne dass man das Gesagte sofort Personen zuordnen kann. Ort des Geschehens ist ein Krankenhaus, wo man die zu dem Zeitpunkt 16-jährigen Protagonisten Ora, Ilan und Avram kennenlernt, die dort auf der Isolierstation liegen.

Dann kommt ein Zeitsprung: Ora hat gerade ihren Sohn Ofer zu einem Kriegseinsatz gebracht, zu dem er sich freiwillig gemeldet hat. Nun fürchtet Ora um ihren Sohn. Sie beschließt vor ihren Ängsten und schlechten Nachrichten zu fliehen.

So überredet sie Avram, ihren alten Freund, Geliebten und Vater von Ofer dazu, mit ihr gemeinsam zu wandern. Sie will über Ofer sprechen und Avram den Sohn näher bringen, den er so gar nicht kennt. Sie denkt, so lange sie über ihn spricht, muss er am Leben sein. Avram ist ein gebrochener Mann. Die Kriegsgefangenschaft hat ihm psychisch und körperlich schwer zugesetzt. Aber diese Wanderung, die auch etwas von einer Pilgerreise hat, bringt die beiden einander wieder näher.

Sie erzählt von ihrem Leben und auch von Avram erfährt der Leser nach und nach dessen Schicksal. Dabei fällt es Ora keineswegs immer leicht zu erzählen, manches ist schmerzhaft.

Zudem verändert sich im Laufe der Wanderung das Verhalten Avrams: Er erzählt von seinen schrecklichen Erlebnissen im Krieg und in der Gefangenschaft. So laufen sie fernab aller Nachrichten und ein wenig auch jenseits der Zeit.

Während die Wanderung chronologisch verläuft, springen die Erzählungen über die Vergangenheit zeitlich hin und her. Der Roman lässt einen aufgewühlt, beeindruckt und nachdenklich zurück.

David Grossman hat hiermit einen grossartigen Roman geschrieben, den wir nur empfehlen können. Er hat uns in jeder Hinsicht überzeugt.

Der Autor:

David Grossmann ist 1954 geboren, ist verheiratet und hat 3 Kinder. Er lebt in einem Vorort von Jerusalem. Er ist Friedensaktivist. 2006 starb sein zweit geborener Sohn Uri im Südlibanon durch eine Panzerabwehrrakete. Das passierte nach während der Autor an diesem Werk arbeitete.

Ulrike Schaffenrath von Ulrike Schaffenrath

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